Alb Extrem – Radmarathon 28.6.2009

Der diesjährige Höhepunkt beim Radfahren wurde schon im Januar geplant. Ein Arbeitskollege machte den Vorschlag, sich beim diesjährigen Alb Extrem anzumelden. In der Gruppe ist die Wahrscheinlichkeit wohl höher einen der begehrten Startplätze zu erhalten (immerhin gibt es 3500!). Tatsächlich gehörten wir am 16.2. zu den Glücklichen, die einen Startplatz bekommen hatten.

Auch Jens war wieder mit dabei. So bereiteten wir uns gemeinsam 3 Tage in den Bergamasker Alpen vor. Aber alles in allem kamen wir beide wohl nicht mal auf 1000km bevor wir zum Start in Ottenbach antraten. Trotzdem wollten wir uns die 260km Runde gönnen, obwohl ich etwas unter „Sitzproblemen“ litt.

Bei 3500 Startern ist es wichtig, früh da zu sein. Sonst steht man in der riesigen Schlange ganz hinten und wartet ewig, bevor man loskommt (eine halbe Stunde soll wohl nicht unnormal sein, was ich gehört habe). Zum Vergleich: Das „riesige“ Feld zu Beginn der Tour de France besteht im Schnitt aus ca. 180 Fahrern. Wir planten also früh da zu sein und holten diesmal die Nummern am Vortag ab (was ich sonst ja nicht mache). Auch das Trikot gab es gleich dazu. Am nächsten Tag traffen wir uns kurz nach 4 und fuhren gemeinsam nach Ottenbach. Gegen 5.20Uhr waren wir am Nord-Start (es gibt zwei Startpunkte um den Beginn etwas zu entzerren) und konnten diesen zumindest noch erahnen. Er lag nur etwa 200m vor uns. Leider war das Wetter um diese Zeit noch nicht so gut. Es war neblig und nieselte leicht. Wir hofften, dass es wenigstens nicht regnet, doch es sollte ein sehr schöner Tag werden.Alb Extrem 2009 Streckenbild 1

Entsprechend der frühen Uhrzeit und da wir unsere Kräfte noch schonen wollten, fuhren wir langsam los. Es ging auch gleich mit stattlichen 15% Maximalsteigung nach oben. In Hohenstaufen schlossen sich die beiden Startgruppen zusammen und in einer riesigen Horde stürtzen wir uns der ersten Kontrolle in Schwäbisch Gmünd entgegen. Im Gegensatz zu kleineren Veranstaltungen hatte die Polizei einige Straßen nur für uns gesperrt, so kam sogar echte Rennatmosphäre auf. In Schäbisch Gmünd ging es in die Fußgängerzone. An einem kleinen Absatz verlor Jens seine Trinkflasche. In einer halsbrecherischen Aktion lief er durch die anstürmende Radfahrer-Meute und konnte seine Flasche noch retten. Zumindest für uns war es der einzige „Unfall“ an diesem Tag. Auf der weiteren Strecke sahen wir allerdings noch etliche Fahrer, die Pannen flickten. Und leider sah ich auch zwei böse Stürze. Besonders in den steilen Abfahrten ging es recht schnell zu, da die Straßen sehr gut ausgebaut sind. 65-70km/h sind dort schnell ohne weiteres erreicht.

Wir versuchten, auch weiter unsere Kräfte einzuteilen und wunderten uns über eine Gruppe, die wie wild die Berge hochstürmte, um dann auf der Ebene immer wieder die Beine hochzunehmen und sich überholen ließ. Sehr interessant waren auch die Liegeradfahrer. Auf der Ebene und Bergab hat man kaum eine Chance. Man bekommt praktisch auch keinen Windschatten hinter so einem Rad. Beim Anstieg ab 5% ist man aber auf einen Rennrad offenbar schneller.Alb Extrem 2009 Streckenbild 2

Die erste Verpflegung gab es nach 53km in Waldstetten. Wir waren wohl noch recht früh dran, trotzdem herrschte schon großes Gedränge. Wir schnappten uns was zu trinken und ein paar Riegel und fuhren gleich weiter. Beim weiteren Auf- und Ab durch die Alb konnten wir uns nicht so recht auf das Tempo am Berg einigen. Ich wollte etwas schneller und Jens lieber noch etwas Kräfte sparen. Bei der Verpflegungsstelle in Gosbach (erste Verpflegung in der großen Runde) beschlossen wir dann uns zu trennen.

Ich fuhr also mein Tempo los, und überholte auch stolz einige Fahrer auf den folgenden 36km bis zur nächsten Verpflegungsstation. Allerdings lagen auf diesen 36km auch knapp 800hm (unter anderem der Drackensteiner Hang), so dass ich sie dann auch deutlich in den Beinen spürte. Dementsprechend hatte ich dann auch später zum Hexensattel hoch arg zu kämpfen. Normalerweise ist das ein Hügelchen, über das man im Training sicher nur mal so „drüber“ rollt. Nach knapp 4000hm tat es mir aber richtig weh. Es gab allerdings auch viele begeisterte Zuschauer, und die anfeuernden Rufe trugen einen dann doch bis zur Kontrollstelle hoch. Hier vereinigten sich dann wieder die Fahrer der 210km Runde mit den der 260km Runde. Und ich war schon stolz zu den „Großen“ zu gehören.

Nach dem Hexensattel kam gleich noch einmal ein harter Anstieg mit über 200hm. Mittlerweile zeigte der Höhenmesser schon über 4000hm an, soviel war ich noch nie an einem Tag gefahren. Vor mir fuhren einige schon Wellenlinien, wohl um der Steigung etwas die Härte zu nehmen. Allerdings kam auch noch der ein oder andere an mir vorbei gefahren.

In der folgenden Abfahrt musste ich leider etwas das Tempo rausnehmen und kurz anhalten, da ein Bauer vor mir erst seine Rinderherde über die Straße treiben musste. Es ging wieder zurück nach Geislingen und eine weitere Steige hinauf (eine andere hatte man dort schon zu Beginn erklommen). Mittlerweile brannte die Sonne mit 35Grad hernieder und es gab keinen Schatten. Zu allem Übel kroch die Straße mit wohl 8% schnurgerade den Berg hoch. Ich schüttet mir etwas Wasser über den Kopf und hängte mich bei jemandem ans Hinterrad, dessen Tempo ich gut den Berg hoch halten konnte. Dabei überholten wir etliche Fahrer und wir trafen auf immer mehr Leute die sich „nur“ die kleine 190km Runde vorgenommen hatten. Ich begann mich zu fragen, ob ich wirklich so schnell unterwegs war, oder ob die anderen Fahrer einfach viel später losgefahren waren. Auf jeden Fall motivierte es, wieder so viele Radler auf der Straße zu sehen, denn auf der Extraschleife für die 260km war es schon recht „beschaulich“ zugegangen.

Bei der letzten Kontrollstelle in Stötten rief mir ein kleiner Junge, der die Kontrollkarten abstempelte, nur noch zu: „Super, die letzten Kilometer schaffst Du auch noch!“ Sah ich wirklich schon so schlecht aus? Jedenfalls wollte ich die letzten Kilometer schnell hinter mich bringen und fuhr los, es sollte ja nur noch ein Anstieg kommen. Also quälte ich mich kurz den Hügel hoch und hängte mich dann in eine noch fit aussehende Gruppe rein, die noch Kraft hatten weil sie 70km weniger als ich gefahren waren. Plötzlich ging es links ab und man konnte einen kleinen Hügel erkennen, auf den ich aber gar keine Lust mehr hatte.

Einer aus der Gruppe sagte noch: „Nur noch den, dann ist es geschafft.“. Der Hügel sah nicht so schlimm aus, also ließ ich das große Kettenblatt drauf und drückte ihn hoch. Nur um danach festzustellen, dass er mit „den“ nicht den Hügel, sondern einen längeren Anstieg gemeint hatte. Also reihte ich mich wieder in die Gruppe ein und fuhr dann mit dem Führenden nach oben. Dort hatten wir schließlich den Rest der Gruppe verloren, da wir wohl etwas zu schnell waren. Oben wollte er dann auf die Anderen warten und wünschte mir noch viel Glück bei der Zieleinfahrt. Froher Hoffnung, dass es das jetzt endlich war, trat ich noch mal rein. Doch es gab noch einen kleinen Hügel der meinen Höhenmesser auf den stolzen Endstand von über 4500hm trieb.

Danach ging es dann in rasanter Abfahrt zum Ziel, wobei man dazu noch die letzten 100m über Feldweg musste. Hier kamen mir erst einige Autos entgegen, so dass man hier etwas langsamer fahren musste. Trotzdem wurde man von einigen Zuschauern begeistert empfangen. Dann kam das Ziel, man konnte aber nicht gleich „einfahren“. Eine Schlange von Radlern stand vor mir und alle wurden noch ein letztes Mal kontrolliert. Danach gab es mit der Kontrollkarte die Urkunde. Etwa 50min später kam auch Jens glücklich ins Ziel. Im ging es wohl am Ende immer besser, so dass er wohl noch hätte weiterfahren können. Mir hatte es allerdings gereicht. Da mein Kilometerzähler recht „genau“ eingestellt war, hatte ich gehofft, dass er nicht wirklich 260km anzeigen würde, sondern etwas weniger. Aber es war tatsächlich die angegebene Streckenlänge. Damit war es die längste und anstrengendste Strecke, die ich bis jetzt gefahren bin.

Der Alb Extrem ist sicher eine Erfahrung, vor allem wegen der Super Organisation und der unglaublichen Massen von Radlern. Allerdings ist es bei der Anmelde-Prozedur natürlich etwas Glück, ob man überhaupt einen Startplatz bekommt.

Hier noch ein paar Daten:

Höhenprofil:Höhenprofil Alb Extrem 2009

Meine Ergebnisse: Alb Extrem 2009 ErgebnisseDie Teilnehmerkarte: Alb Extrem 2009 Teilnehmerkarte

Die Urkunde: Alb Extrem 2009 Urkunde

Das Trikot:

Trikot 2009 1 Vorderseite

Trikot 2009 1 Rückseite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.